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28. Juni 2021

Digitale Seniorenwallfahrt: Premiere geglückt – Wiederholung wünschenswert

„Ich bin immer gerne zur Seniorenwallfahrt zum Kloster Stiepel gefahren“, erinnert sich Ria Warneke (101), als sie von der Alltagsbetreuerin Birgit Certa in die Cafeteria unseres Pflegeheims St. Mauritius-Stifts in Bochum gefahren wird. „Aber dieses Jahr ist das ja nicht möglich, da schau ich mir jetzt die Übertragung an!“, freut sie sich. Mit ihr verfolgen weitere gut 20 pflegebedürftige Menschen den Live-Stream der Wallfahrtsandacht auf Youtube, den das Kloster ins Netz gestellt hat. Alle stationären Pflegeeinrichtungen im Bistum waren über den Caritas-Verband dazu eingeladen worden, mit den Bewohnenden dieses Angebot wahrzunehmen.

In vielen der teilnehmenden Einrichtungen wurde danach durch die Seelsorger vor Ort das Sakrament der Krankensalbung gespendet. „Damit konnte die 15-jährige Tradition der Wallfahrt fortgesetzt werden, in denen dieses wichtige Zeichen eine zentrale Rolle gespielt hat“, freut sich Dieter Merten vom „Stiepeler Kreis“, einem Zusammenschluss engagierter Heimbetreiber, die seinerzeit die Idee zur Seniorenwallfahrt hatten und diese mittlerweile größten Veranstaltung dieser Art bundesweit machten.

 

Verbindung stärken

„Mit diesem digitalen Angebot möchten wir ein Zeichen der Verbundenheit und Solidarität schaffen, gerade jetzt in Zeiten der Pandemie“, beschreibt Sandra Evers, die zusammen mit Pater Elias die technische Umsetzung des Vorhabens realisiert hat, die Zielsetzung der Übertragung. Nachdem die Wallfahrt im vergangenen Jahr pandemiebedingt komplett ausfallen musste, wollten Kloster und Stiepeler Kreis mit dem Live-Stream, der auch im Nachgang noch abrufbar ist, die Verbindung in die Pflegeeinrichtungen hinein wieder stärken: „Wir freuen uns, dass Sie sich digital auf den Weg gemacht haben“, sagte der Stiepeler Wallfahrtsrektor Pater Rupert Fetsch bei seiner Begrüßungsansprache, um später hinzuzufügen: „Seien Sie sicher: Wir Mönche beten für Sie!“

In einem Gebet brachte Dieter Merten das Problem auf den Punkt: „Das Virus offenbart, wie es um unsere Gesellschaft steht, um unsere Reserven, um unsere Anfälligkeit, um unseren Zusammenhalt. Die Krise bringt unschöne Seiten ans Licht …“, sagte er und erinnerte an Panikkäufe, etliche Profiteure und das überstrapazierte Gesundheitssystem. Den Trost, den der Glauben und die Fürsprache Mariens dagegen setzen, kam bei den Senioren in St. Mauritius-Stift gut an. „Das war sehr wohltuend!“, sagte der 74-jährige Wolfgang Myssen, „auch wenn es in diesem Jahr anders als sonst war.“

Direkt im Anschluss an die Übertragung spendete Pastor Jürgen Kuhn, der das St. Mauritius-Stift seelsorglich betreut, das Sakrament der Krankensalbung, für viele Bewohner ein besonderer Moment, der sie sichtlich bewegte.

 

Zukunftsweisende Veranstaltung

Für unsere Einrichtungsleitung Simone Füting hatte die digitale Wallfahrt etwas Zukunftsweisendes: „Nur ein sehr kleiner Teil unserer Bewohnenden ist überhaupt in der Lage, die Anstrengungen einer Wallfahrt noch zu meistern. Bei den letzten Malen waren das nur fünf bis zehn Bewohner. Denen hat das besonders gut gefallen, eine Busreise zu unternehmen und mit rund 1500 anderen Menschen an einem Gottesdienst teilzunehmen. Jetzt aber haben hier in unserer Einrichtung über 20 – also mehr als doppelt so viele – Gläubige teilgenommen: Insofern würde ich es begrüßen, wenn im nächsten Jahr erneut eine Übertragung für diejenigen gibt, die nicht in der Lage sind, an dem in Stiepel gefeierten Gottesdienst teilzunehmen!“


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